{"id":621,"date":"2016-09-04T18:02:26","date_gmt":"2016-09-04T16:02:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.windenergie-politik-gesellschaft.de\/?p=621"},"modified":"2016-09-08T09:23:44","modified_gmt":"2016-09-08T07:23:44","slug":"propaganda-fuer-die-braunkohlezwei-systeme-fuer-eine-aufgabe-versorgungssicherheit-im-stromsektor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.windenergie-politik-gesellschaft.de\/?p=621","title":{"rendered":"Propaganda f\u00fcr die Braunkohle &#8211; Zwei Systeme f\u00fcr eine Aufgabe: Versorgungssicherheit im Stromsektor"},"content":{"rendered":"<p>Sonntag ist mal wieder Zeit, um der Propaganda der Kohlelobby zu lauschen. Und schnell wurde ich f\u00fcndig, diesmal mit einem Artikel der m\u00e4chtig ideologisch &#8220;Pro-Braunkohle&#8221; eingef\u00e4rbt ist, was nicht verwunderlich ist, da er von einem f\u00fchrenden Vertreter der Braunkohleindustrie geschrieben wurde. <\/p>\n<p>Geschickt suggeriert Herr Milojcic zun\u00e4chst, einen gut reflektierten und ausgewogenen Bericht zur Stromdebatte zu leisten, in dem er diese als eine vergiftete Diskussion darstellt &#8211; um dann nat\u00fcrlich selbst Gift zu spritzen, als Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des DEBRIV, dem Bundesverband Braunkohle.<\/p>\n<p>Was folgt ist wie immer viel Propaganda, Verallgemeinerungen und irref\u00fchrende Betrachtungsweisen. Sie f\u00fchren zu dem Eindruck, das Kohle unabdingbar als Energietr\u00e4ger ist. Dazu ein kurzer, kritischer Durchgang des Berichts.<\/p>\n<p>Versorgungssicherheit und Systemstabilit\u00e4t &#8211; Zwei Systeme, eine Aufgabe<\/p>\n<p>Suggeriert wird hier, Deutschland w\u00fcrde zwei Systeme ben\u00f6tigen. Das ist langfristig aber nicht der Fall, den Deutschland wechselt von einem System zum anderen. Mit dem Ausbau von Wind- und Solarstrom sinkt der Bedarf an Grundlastkraftwerken. Sonne und Wind stellen zeitlich variabel Energie bereit. Ein Stromsystem, das optimal an diese erneuerbaren Energiequellen angepasst ist, besteht in Zukunft nur noch aus Kraftwerken, die f\u00fcr den Mittel- und Spitzenlastbetrieb ausgelegt sind, also nur 50%, 20%, oder 1% aller Stunden im Jahr in Betrieb sind \u2013 aber nicht 100%. Dazu geh\u00f6ren Kohlekraftwerke sicherlich nicht. <\/p>\n<p>Eine &#8220;L\u00fccke&#8221; von 73,2 GW zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Tag im Jahr 2015 wird im Bericht pl\u00f6tzlich zu einem wochenlangen Ph\u00e4nomen. Da fehlen Herrn Milojcic wohl die richtigen Wetterdaten. Es ist eben nicht so, dass dauerhaft kein Wind weht und keine Sonne scheint und somit wochenlang der Strom aus Speichern kommen muss. Es gibt gen\u00fcgend \u00dcbersch\u00fcsse \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume hinweg, die nur entsprechend nutzbar gemacht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der kleine Seitenhieb auf Gas- und Dampfkraftwerke spricht f\u00fcr die verzweifelte Lage der Braunkohlelobby, Argumente ins Feld zu f\u00fchren, f\u00fcr eine Verwendung der &#8220;heimischen&#8221; Braunkohle. Das Damoklesschwert der CO2 Ziele einer beliebigen Bundesregierung l\u00e4sst sich nicht wegdiskutieren. Das sitzen wir in ganz Europa im gleichen Boot. Und sehr wohl steht die Kohlenverstromung dem entgegen.<\/p>\n<p>Wichtiger ist jedoch die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Hier werden die Letztverbraucherausgaben herangezogen. Preissenkend sei nur die konventionelle Erzeugung gewesen. Suggeriert wird, Kohlestrom sei unglaublich g\u00fcnstig und d\u00e4mpft den Preisanstieg, der &#8220;wirtschafts-  und  verbraucherpolitisch  eine  sehr  kritische  und besorgniserregende  Entwicklung darstelle,  mit  der die  Akzeptanz  der  Stromwende  insgesamt gef\u00e4hrdet w\u00fcrde..&#8221;<br \/>\nSchon komisch, denn \u00fcblich ist hier ein Vergleich der Stromgestehungskosten als Investitionsentscheidung. Herr M. wei\u00df nat\u00fcrlich genau, wieso er das an dieser Stelle nicht macht. Lieber mal ein wenig Gift spritzen, wenn sonst nichts hilft: &#8220;Der banale Ansatz, immer mehr Solarpanele, immer mehr Windm\u00fchlen, ist eine Sackgasse und als Indikator f\u00fcr den Fortschritt ungeeignet.&#8221; Die derzeit g\u00fcnstigen Kapitalmarktbedingungen sind historisch einmalig und die Investoren entscheiden, wohin das Geld flie\u00dft. Und es flie\u00dft nun einmal nicht in die kapitalintensiven Produktionsanlagen wie Kohlekraftwerke. Es sind kleine flexible Kraftwerke gefragt, dezentral, und am besten in der Hand von lokalen B\u00fcrgerenergiegenossenschaften. Wenn nicht steigende Wind und PV Kapazit\u00e4ten zu immer g\u00fcnstigeren Preisen Fortschritt bedeutet, was denn sonst? Aber richtig, aus Sicht des Braunkohlenverbands kann nur versucht werden, die Erzeugungskapazit\u00e4ten irgendwie am Leben zu erhalten. Da ist jedes Argument recht.<\/p>\n<p>Dann kommt nat\u00fcrlich wie \u00fcblich das tolle Argument, das eine Verlagerung der Stromerzeugung bei nationalen Alleing\u00e4ngen wahrscheinlich sei. Dann mal zu. Wo sind denn die Investoren, die neue Kohlekraftwerke in Europa bauen? Allianz?<\/p>\n<p>Dann nochmals eine interessante Sichtweise zu einer selbst berechneten &#8220;Stroml\u00fccke&#8221; f\u00fcr Oktober bis Dezember 2014 in H\u00f6he von 104 TWh. Es wurde \u00fcbersehen, dass es regelm\u00e4\u00dfig zu Abschaltungen bei den Windenergieanlagen bei Netzengp\u00e4ssen kommt, vor allem im Winter, die auf der &#8220;Produktionsseite&#8221; fehlen. Ebenso wurde vergessen, den Exportsaldo herauszurechnen, denn es geht um den Strombedarf in der BRD, nicht in Europa. Immerhin lag der Exportsaldo bei ca. 13,3 TWh f\u00fcr die drei Monate. Somit reduziert sich die L\u00fccke um ca. 15 TWh.<br \/>\nDiese Zahlen dann fortschreiben zu wollen, f\u00fchrt aber nun v\u00f6llig in die Sackgasse. Die Kapazit\u00e4t der Nennleistung bei Wind hat wenig mit der daraus resultierenden Produktion zu tun. Eine Verdopplung der Nennleistung wird zu einer Vervielfachung der Stromproduktion aus Wind f\u00fchren. Ein Repowering mit effizienteren Anlagen an Standorten, die heute mit Windenergieanlagen der ersten Generation belegt sind und ein bereits genehmigtes Offshore Potential mit erheblich h\u00f6heren Volllaststunden werden dazu f\u00fchren, dass wir Strom im \u00dcberfluss haben werden, und das ohne Brennstoffkosten. <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich muss das System angepasst werden, in dem der Strom besser verteilt wird und kurz- und mittelfristig nutzbar gemacht wird, z.B. durch Power to Gas. Da hilft es auch nicht, das zur &#8220;Milchm\u00e4dchenrechnung&#8221; zu degradieren. Der Megagau f\u00fcr die Braunkohle kommt.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re doch sch\u00f6n, wenn die Energie, die Menschen aufbringen, um Ihre Sichtweise und Ideologie der Energiewende durchzusetzen,in konstruktive Arbeit umgewandelt werden k\u00f6nnte. Das Festhalten an alten Gesch\u00e4ftsmodellen hilft einfach nicht. Kohle ist und bleibt endlich und die Verbrennung der Kohle zerst\u00f6rt unsere Umwelt und Lebensgrundlage. Ein Umdenken ist notwendig. Das dauert aber wohl noch ein paar Generationen..<\/p>\n<p>Quelle: <em><a href=\"http:\/\/www.et-energie-online.de\/Zukunftsfragen\/tabid\/63\/NewsId\/1881\/Zwei-Systeme-fur-eine-Aufgabe-Versorgungssicherheit-im-Stromsektor.aspx\">Zwei Systeme f\u00fcr eine Aufgabe: Versorgungssicherheit im Stromsektor<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntag ist mal wieder Zeit, um der Propaganda der Kohlelobby zu lauschen. Und schnell wurde ich f\u00fcndig, diesmal mit einem Artikel der m\u00e4chtig ideologisch &#8220;Pro-Braunkohle&#8221; eingef\u00e4rbt ist, was nicht verwunderlich ist, da er von einem f\u00fchrenden Vertreter der Braunkohleindustrie geschrieben wurde. 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